Am Anfang war ein Eisbrocken… aus dem sich am Ende der letzten Eiszeit vor rund 12 000 Jahren der heutige Stechlinsee entwickelte. Damals war an unheimliche Sagen wie dem „Roten Hahn“ oder fiktive Adelsfamilien aus Fontanes Roman „Der Stechlin“ noch gar nicht zu denken. Der Eisbrocken musste sich im Laufe der Jahre erst einmal zu dem entwickeln, was er heute ist: Norddeutschlands größter Klarwassersee und ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste und Einheimische.

Tiefe Sicht und weite Wege

  • Der Stechlin bei Neuglobsow aus der Vogelperspektive
  • Wasserspiegelung im Stechlinsee

Rund 97 Millionen Kubikmeter Wasser verteilen sich auf eine Fläche von 4,25 Quadratkilometern – mit Recht darf das Gewässer daher als „Großer Stechlinsee“ bezeichnet werden. Wer ihn umrunden will, muss sich auf eine Strecke von gut 16 Kilometern gefasst machen.

An einigen Stellen fällt der Grund schon unmittelbar hinter der Uferlinie steil bergab. An seiner tiefsten Stelle misst der Stechlin eindrucksvolle 69,5 Meter. Im Durchschnitt kann man bis zu zehn Meter tief sehen.

Der Stechlinsee gehört zu den saubersten Seen in Deutschland. Der slawische Name „steklo“ bedeutet so viel wie glasklar und verweist nicht nur auf die gute Wasserqualität, sondern auch auf die ehemals hier angesiedelte Glashütte.

Bereits seit 1938 sind der See und seine Umgebung Teil eines Naturschutzgebietes. Heute gehören sie zum Naturpark „Stechlin-Ruppiner Land“. Das Besucherzentrum befindet sich im benachbarten Menz.

Sagenhafte Geschichten

  • Der Rote Hahn - Wahrzeichen von Neuglobsow
  • Sonnenuntergang am Stechlinsee

Ein literarisches Denkmal hat Theodor Fontane dem See in seinem Roman „Der Stechlin“ gesetzt. Auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg war Fontane öfters in Neuglobsow und ließ sich hier inspirieren:

„Zwischen flachen, nur an einer einzigen Stelle steil und quaiartig ansteigenden Ufern liegt er da, rundum von alten Buchen eingefasst, deren Zweige, von ihrer eigenen Schwere nach unten gezogen, den See mit ihrer Spitze berühren. Hie und da wächst ein weniges von Schilf und Binsen auf, aber kein Kahn zieht seine Furchen, kein Vogel singt, und nur selten, daß ein Habicht drüber hinfliegt und seine Schatten auf die Wasserfläche wirft. Alles still hier."

Noch unheimlicher geht es in der Sage vom Roten Hahn zu, der vom Grund des Stechlinsees herauf kommt, wenn ein Fischer an einer ihm nicht genehmen Stelle fischt:

"Rot und zornig, und schlägt mit den Flügeln bis er schäumt und wogt, und greift das Boot an und kreischt und kräht, daß es die ganze Menzer Forst durchhallt von Dagow bis Roofen und bis Alt-Globsow hin."

Der Rote Hahn ist übrigens bis heute das Wahrzeichen des Ortes Neuglobsow.

Einmalige Flora und Fauna

Reuse der Fischer im Stechlinsee

Der Stechlinsee beherbergt zwei Arten, die ausschließlich hier vorkommen: Die Kieselalge Cyclotella tripartita und die Fontane-Maräne. Letztere wurde im Jahr 2000 von Mitarbeitern des am Stechlinsee beheimateten Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei nachgewiesen und gilt als kleine wissenschaftliche Sensation. Sie wurde als eigene Fischart anerkannt und ist mit 9 bis 12,5 Zentimetern Länge wesentlich kleiner als die bis zu 30 Zentimeter lange normale Kleine Maräne.