Menschen lieben das Licht. Licht ist schön, vor allem, wenn es bunt ist, und wir fühlen uns im Hellen viel wohler als im Dunklen. Heute ist es möglich, alles zu beleuchten, die eigene Hausfassade, die Werbung für das Geschäft, sogar den Garten und den Balkon. An manchen Orten der Welt wird es niemals dunkel. Aber Licht hat auch seine dunklen Seiten. Licht zur nächtlichen Zeit können Ökosysteme stören, die eigene Gesundheit beeinträchtigen und Energie verschwenden.
Der Tag hat 24 Stunden und bietet viele ökologische Nischen. Diese Nischen sind wichtig, um einer möglichst hohen Artenvielfalt Raum zu bieten. Zum Beispiel können Beutetiere sich in die Nacht schützen und den Tag weichen um nicht gefressen zu werden; sie sind dann nacht-aktiv. Die Sinne dieser Tiere haben sich an ihre ökologische Nische spezifisch angepasst. Was passiert aber, wenn die Nacht künstlich beleuchtet wird und sich die Tiere nicht mehr an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus orientieren können? Was passiert mit Insekten an einer Leuchte, wenn sie dem sogenannten Staubsaugereffekt unterliegen? Und warum ist es wichtig, die Dunkelheit an den Ufern unserer Gewässer so natürlich wie möglich zu belassen? Was ist eigentlich am Insektensterben so schlimm? Übertragen Mücken nicht Krankheiten und sind Insekten nicht vor allem lästig? Nein! Für Wildtiere bedeuten sie eine wichtige Grundlage ganzer Nahrungsnetze, denn sie dienen entweder direkt als Nahrungsquelle für kleine Tiere oder bestäuben Pflanzen, die als Nahrung dienen. Daher ist es wichtig, sie zu kennen, zu schützen und ihre Vielfalt zu erhalten, denn diese sorgt auch für funktionierende Ökosysteme.
Für den Schutz unseres Klimas ist es besonders wichtig, Ressourcen zu schonen und auf eine möglichst geringe CO2-Emission zu achten. Der Einsatz von zu viel künstlichem nächtlichem Licht ist Energieverschwendung durch Beleuchtung. Jede Lampe, auch wenn sie noch so klein ist, kann mehr oder weniger zu einem strahlenden Nachthimmel beitragen. Die Auswirkungen dieser sogenannten Lichtglocken oder Lichtdome können viele Kilometer weit zu messen sein und daher ist es besonders wichtig, die Nacht zu schützen. Um den nächtlichen Lebensraum von Wildtieren zu schützen, können alle helfen - im eigenen Garten oder auf dem Balkon – überall sollte Licht nur dort verwendet werden, wo es gebraucht wird!

Ziel des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischere ist es, Straßenleuchten so umzurüsten, dass sie umweltfreundlich sind. Das neue Beleuchtungsdesgin ist so entwickelt, dass das Licht der Leuchten in Flughöhe der Insekten vollends abgeschirmt wird.  Diese Leutchen werden in vier Kommunen in Deutschland umgesetzt und untersuchen die Auswirkung auf Bestand und Artenvielfalt der Insekten zwei Jahre vor und zwei Jahre nach der Umrüstung (2020 – 2024). Um die Gesellschaft für den Schutz der Nacht und der Insektenvielfalt zu sensibilisieren, möchte das Institut gemeinsam mit Hilfe von Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern die Auswirkung dieses umweltverträglichen Beleuchtungsdesigns auf die Artenvielfalt der Insekten testen. Helfer, also Anwohnerinnen und Anwohner, Schülerinnen und Schüler, Insektenkundlerinnen und –kundler, Familien und Interessenten, lernen in organisierten Workshops (1) wie man die Auswirkung der Beleuchtung untersucht und Daten sammelt, (2) wie man Insekten erkennt und unterscheidet, (3) was aquatische und terrestrische Insekten sind und (4) welche ökologischen Funktionen Insekten übernehmen.

Das Projekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ (AuBe) (tatort-strassenbeleuchtung.de) wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt ermöglicht und durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

 

 

 

Auf dem Bild ist eine umweltverträgliche Straßenlaterne abgebildet, durch die die Insektenvielfalt bewahrt werden soll.