Taufengel waren im 18.Jahrhundert eine Modeerscheinung, nachdem in vielen Kirchen die Innenausstattung teils erneuert werden musste, teils aber auch aus liturgischen Gründen eine veränderte Bedeutung bekam: Es genügte eine kleine Wasserschale, da die Täuflinge nur noch mit Wasser besprengt, aber nicht mehr untergetaucht wurden und die großen Taufbecken nicht mehr erforderlich waren. Einem Taufengel wurde darüber hinaus attestiert, er gebe „gar gutte geistreiche Gedanken an die Hand“ (STURM, 1708, zitiert nach „Taufengel in Brandenburg“, 2006). So entstanden, teils in bekannten Holzbildhauerwerkstätten, diese wunderbaren Figuren samt Aufhängungen, manche sogar mit einem Seilzug, um sie nach oben ziehen und zur Taufe wieder herablassen zu können.

Das „Verschwinden“ der Taufengel 100-150 Jahre später spiegelt Veränderungen in ästhetischen und theologischen Auffassungen während der Romantik und des Klassizismus. In einigen Fällen ging es um die stark vermenschlichte Engeldarstellung (z.B. die Ausstattung mit gestrickten Strümpfen oder mit einem besonderen Tuch) und eine einsetzende Verehrung der Engel und ihrer Ausstattungsstücke. So wanderten manche der Taufengel in Depots, auf Dachböden der Kirchen, mitunter bereits reparaturbedürftig oder wegen kaputter Aufhängungen nicht mehr einsetzbar. Manchen dieser Engel begegnet man heute nur noch in Papieren in Kirchenarchiven, in Rechnungen oder Ausstattungsberichten.

Die Neuglobsower Ausstellung versammelt Taufengel aus dem nord- und mitteldeutschen Raum und gibt so einen schönen Überblick über die künstlerische Vielfalt ihrer Gestaltung. Das Festliche der Gewandung, die gebende Gebärde, die frohe Farbigkeit der meisten Engel, ihr Blick auf das Gegenüber ziehen die Betrachtenden leicht in ihren Bann. Besonders beeindruckend sind die bäuerlich-naiven Werke, die sich keiner großen Bildhauerwerkstatt zuordnen lassen. Mit dem innigen Wunsch, das zur Taufe gebrachte Kind möge wohl behütet durchs ganze Leben gehen, haben unzählige Familien ihre Kinder Gott anvertraut und in dem Taufengel ein Symbol solchen Schutzes gesehen. Und in den Kirchen, die ihre Taufengel behielten oder nach Restaurierung wieder in ihre Funktion einsetzen konnten, geschieht das heute noch oder wieder so.

Um selbst während der Ausstellung gut geschützt zu sein und auch andere zu schützen, bitten die Veranstalter darum, dass nur maximal fünf Personen aus zwei Haushalten den engen Ausstellungsraum betreten und alle Hygieneregeln einhalten (Medizinische Masken, Abstand, Händedesinfektion). Desinfektionsmittel steht zur Verfügung. Die Kirche ist täglich von 10-18 Uhr geöffnet. Die Ausstellung wird bis Anfang
Oktober 2021 zu sehen sein.

(Das abgebildete Foto zeigt den Engel aus der Evangelischen Kirche in Schönberg, Ostprignitz-Ruppin und ist von Eva Runge aufgenommen worden.)

 

Taufengel aus Holz