Stechlin

Hinter dem Namen Stechlin verbirgt sich nicht nur Fontanes berühmter Roman, sondern auch eine Gemeinde im Amt Gransee und Gemeinden, die aus den Orten Dollgow, Menz und Neuglobsow/Dagow besteht. Alle drei Dörfer liegen im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land und sind beliebte Ausflugsziele sowie Urlaubsorte in der Reiseregion zwischen Ruppiner Seenland und Mecklenburgische Seenplatte.

Als staatlich anerkannter Erholungsort ist Neuglobsow/Dagow vielen ein Begriff. Seine Berühmtheit hängt unmittelbar mit Norddeutschlands größtem Klarwassersee, dem Stechlinsee zusammen. Rund 97 Millionen Kubikmeter Wasser verteilen sich auf eine Fläche von 4,25 Quadratkilometern. Wer ihn umrunden will, muss sich auf eine Strecke von gut 16 Kilometern gefasst machen.

An einigen Stellen fällt der Grund schon unmittelbar hinter der Uferlinie steil bergab. An seiner tiefsten Stelle misst der Stechlin eindrucksvolle 69,5 Meter. Im Durchschnitt kann man bis zu zehn Meter tief sehen.

Unheimlich geht es in der Sage vom Roten Hahn zu, der vom Grund des Stechlinsees herauf kommt, wenn ein Fischer an einer ihm nicht genehmen Stelle fischt:

"Rot und zornig, und schlägt mit den Flügeln bis er schäumt und wogt, und greift das Boot an und kreischt und kräht, daß es die ganze Menzer Forst durchhallt von Dagow bis Roofen und bis Alt-Globsow hin."

Der Rote Hahn ist übrigens bis heute das Wahrzeichen des Ortes Neuglobsow.

Der Stechlinsee gehört zu den saubersten Seen in Deutschland. Der slawische Name „steklo“ bedeutet so viel wie glasklar und verweist nicht nur auf die gute Wasserqualität, sondern auch auf die ehemals hier angesiedelte Glashütte. Die Ausstellung im Glasmacherhaus widmet sich dieser Geschichte.

 

 

 

Nicht nur am Tag hat der Stechlinsee viel zu bieten. Auch nachts verliert er nicht an Zauber. Nehmen Sie doch Platz unter dem prachtvollen Sternenhimmel. Der Stechlinsee liegt in einer der dunkelsten Regionen Deutschlands. Erleben Sie die klaren Nächte, verbunden mit einem Blick in die Weite des Universums. Beobachten Sie über dem See Sternenformationen wie die Milchstraße, die in Deutschland in dieser Intensität kaum noch sichtbar sind.

Auch Wissenschaftler nutzen es, dass es am Stechlinsee so dunkel wie nur an wenigen Orten Europas ist. Die Forscher des Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)  erforschen im Seelabor, einer im Stechlinsee schwimmenden Forschungsplattform, hier deshalb die Einflüsse des Klimawandels auf den See und wie die Lichtverschmutzung ganze Ökosysteme durcheinanderbringt. Detaillierte Informationen zu dem Projekt finden Sie hier. (Foto/Sternenhimmel: A. Jechow IGB/GFZ)

Dagow ist der kleinere der beiden Ortsteile, dafür aber auch der ältere. Nach der Vertreibung der ursprünglichen Siedler, den Slawen, wurde die Siedlung an das 1230 gegründete Kloster Lindow übergeben. Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Neuansiedlung im Rahmen der inneren Kolonisation Preußens, nachdem Dagow im 15. Jahrhundert verlassen worden war.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Menz 1290. Archäologische Spuren reichen in slawische Zeit zurück. Auf dem direkt am See gelegenen Wallberg befand sich beispielsweise ein Burgwall mit vorgelagerter Siedlung. Im 15. Jahrhundert suchten mecklenburgische Raubritter den Ort heim. 1638 brandschatzten kaiserliche Truppen unter General Matthias Gallas 28 Siedlungen im Stechlin-Ruppiner Land, darunter auch Menz.

Zu Wohlstand kamen die Menzer mit Beginn des 18. Jahrhunderts. Der Bau des Polzowkanals begünstigte die Forstwirtschaft. Auf dem künstlich geschaffenen Wasserweg und der Havel gelangte Holz aus der Menzer Heide nach Berlin.

Das Besucherzentrum des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land ist hier genauso zuhause wie das Naturparkhaus Stechlin und die Naturwacht „Stechlin-Ruppiner Land“. Der im April 2009 eingeweihte Abenteuerspielplatz lädt zum Toben ein.

In Dollgow lässt sich Geschichte nicht nur betrachten, sondern auch hören. In der 1767 erbauten Kirche hängt eine der ältesten Glocken Brandenburgs, die 1490 vom holländischen Meister Gerhard de Wou gegossen wurde. Das Gotteshaus wird darüberhinaus auch durch den 2007 sanierten barocken Kanzelaltar, einer Lüttkemüller-Orgel von 1882 und einem Taufstein von 1839 geschmückt.

Die Ersterwähnung Dollgows dokumentiert eine der düsteren Stunden des malerisch am See gelegenen Dorfes: 1422 fiel „Dolghe“ einer Plünderung zum Opfer. Im 30-jährigen Krieg wütete nicht nur die Pest im Ort, kaiserliche Truppen unter General Matthias Gallas legten 1638 Bauernhäuser und Kirche in Schutt und Asche. Hinter dem ehemaligen Schulgebäude in der Dorfmitte erinnert heute die so genannte „Gallas-Linde“ an den Feldherrn.